Geschichte der Bibliothek

Inhalt

Von der Volksbibliothek des Männervereins bis zur Gemeindebibliothek

Am 7. Januar 1875, an einem Mittwoch, wurde an einer der 14-täglichen Vereinssitzungen des Männervereins Thayngen als Haupttraktandum die Gründung einer Volksbibliothek behandelt. Pfarrer Keller wies darauf hin, «wie für den Landmann unserer Zeit das Lesen landwirtschaftlicher Schriften unerlässlich sei, wie geographische Schriften unseren Gesichtskreis erweitern, wie geschichtliche Werke und guter Unterhaltungsstoff Verstand und Geist ausbilden». Die Argumente mündeten in dem Antrag: «Es wolle der Männerverein am heutigen Tage die Gründung einer Volksbibliothek für Thayngen und Barzheim beschliessen, seinen Kassensaldo vom vorigen Jahre zu diesem Zwecke zur Verfügung stellen und durch eine Kommission, sei sie neu gewählt, sei es das bisherige Komitee oder ein erweitertes, dafür sorgen, dass die Bibliothek am 1. November 1875 eröffnet werden könne».

Diese kleine Volksbibliothek stand bis 1922 nur den Vereinsmitgliedern offen. Nach mehreren Vorstössen konnte sich die Bibliothekskommission erst 1922 entschliessen, die Benutzer- ordnung wenigstens auf Frauen und Nichtmitglieder auszuweiten, und zwar gegen die Entrichtung eines jährlichen Mitgliederbeitrages.

Haus zur Bachbrücke

Haus zur Bachbrücke um 1920

Durch die Motion des Einwohnerrates Hans- jörg Ogg wurde der Gemeinderat 1973 ver- pflichtet, eine gemeindeeigene Dorfbibliothek zu planen, doch war an eine rasche Ver- wirklichung mangels geeigneter Räume und wegen anderer grösserer Gemeindevorha- ben wie Schwimmbad nicht zu denken. Auch wirkte die geringe Frequenz der be- stehenden Vereinsbibliothek nicht besonders stimulierend auf das Vorhaben einer gemein- deeigenen Institution. Immer wieder wurde im Männerverein selbst darauf hinge¬≠wiesen, dass die bestehende Vereinsbibliothek bereits eine Freihandbibliothek und auch Nichtmitgliedern zugänglich sei. Erst der Plan zur Neugestaltung des Kreuzplatzes und die Besichtigung von Gemeindebibliotheken im Kanton Zürich führten zum Plan, das schöne alte Haus zur Bachbrücke in das Bibliotheksprojekt mit einzubeziehen. Der Vorstand des Männervereins stimmte nach Absprache mit der Gemeindebehörde der Integration seiner Vereinsbibliothek in die Gemeindebibliothek zu, weil mit grosser Deutlichkeit klar wurde, dass eine erfolgreiche Bibliotheksführung die finanziellen Möglichkeiten eines unabhängigen Dorfvereins bei weitem übersteigen würde.

Gekürzter Bericht von Herbert Somm, erschienen im Heimatblatt vom 28. Oktober 1983

Einweihung der Dorfbibliothek

Haus zur Bachbrücke

Haus zur Bachbrücke heute

Gemeindepräsident Walter Stamm konnte am Freitag, 5. November 1983 160 geladene Gäste beim neu gestalteten Kreuzplatz begrüssen. Das neue Bibliotheksgebäude, welches auch als «Hochschule des einfachen Mannes» bezeichnet wurde, stand im Mittelpunkt des Interessens. Walter Förderer gab seiner Freude ausdruck, als Architekt die vornehme Aufgabe erhalten zu haben, das alte «Bachhüsli» neu zu gestalten. Er überreichte dem Gemeindepräsidenten, an Stelle eines symbolischen Schlüssels, eine kunstvoll gebackene Eule aus Brotteig. Die «Broteule» ist längst gegessen, doch das Eulenlogo als Sinnbild der schönen Literatur begleitet und wirbt noch heute für unsere Bibliothek. Am Sonntag, 6. November 1983 war es dann soweit, die Bibliothek öffnete zum ersten Mal ihre Türen für das Publikum.

Dazu können wir im Heimatblatt vom 11. November 1983 lesen:
Sowohl am Vormittag als auch nachmittags war das Gedränge im Bibliotheksgebäude gross. Mit regem Interesse schaute man sich das Haus mit der interessanten Dachkonstruktion sowie die prall gefüllten Bücherregale an, wobei man ab und zu in einem Buch blätterte und dabei wohl dachte: Dieses werde ich mir nächstens zur Lektüre holen. Viele aufmerksame Zuhörer hatten auch Jakob Brütsch, Barzheim und Elisabeth Schmid, Schaffhausen. Zweimal des Tages las der Heimatdichter aus seinen urchigen, markigen und ländlichen Werken vor, Fräulein Schmid bereicherte diese Worte mit schönem Gesang.

4000 Bücher standen in der nach sorgfältigst geplanten und eingerichteten Räumlichkeiten auf zwei Stockwerken der Bibliothekskundschaft zur Verfügung. Dieser Grundbestand sollte nach einigen Jahren Aufbauarbeit rund 10'000 Medien umfassen. Dieses Ziel wurde, wie wir aus dem Jahresbericht von 1990 entnehmen können, dank der Grosszügigkeit der Gemeinde Thayngen, dann auch erreicht. Die Ausleihe der Medien war von Anfang an für alle Einwohnerinnen und Einwohner von Thayngen aber auch vom ganzen Reiat kostenlos.

Abschliessender Kommentar im Heimatblatt:
Die Thaynger Bibliothek ist Wirklichkeit geworden, der Wunschtraum des früheren Mitgliedes des Einwohnerrates Hansjörg Ogg mit der Motion betr. Errichtung einer Gemeindebibliothek hat sich erfüllt. Ihm gebührt darum der erste Dank aller zukünftigen Kunden unserer Bücherei. Ob sie aber auch gut frequentiert werden wird? Jedenfalls, wenn der Andrang vom Sonntag der Massstab ist für das Interesse an der Thaynger Gemeindebibliothek, so wird Frau Schenk, die eine grosse Aufgabe übernommen hat und der ebenfalls herzlicher Dank gehört, über Arbeit nicht zu klagen haben.

20 Jahre lesen, hören, schauen

Cilly Vanossi

Cilly Vanossi, seit 20 jahren in der Bibliothek tätig

Unsere Bibliothek ist und war in den letzten 20 Jahren bei vielen Thayngern, aber auch auswärtigen Benützerinnen äusserst beliebt. Zur Zeit sind knapp tausend Benützerinnen und Benützer eingeschrieben, wobei etwa die Hälfte zu den regelmässigen Kunden zu zählen ist.

Mit der Einführung von neuen Medien konn- ten im Laufe der Jahr immer wieder frische Impulse zur Attraktivierung der Bibliothek gegeben werden. Diese Ergänzungen wurden von den Kunden jeweils begeistert aufgenommen. So kamen 1988 CD`s, 2000 Hörbücher für Erwachsene, 2002 Einführung von EDV, 2003 DVD`s zum Angebot hinzu.

Im Laufe der vergangenen 20 Jahre wurden viele spannende Veranstaltungen in der Bibliothek organisiert. Lesungen mit Jakob Brütsch, Benno Pludra, Hanna Johansen, Ulrich Knellwolf, Hans Manz, Felix Schwank u.a. fanden grossen Anklang. Doch auch unzählige Klassenführungen, Geschichten-Nachmittage für Kinder und Bücherkaffees bereicherten den Bibliotheksalltag und versuchten die Thaynger Bevölkerung zum Lesen zu verführen. Dass je länger je mehr Nonbooks, vor allem bei der Jugend gefragt sind, erstaunt im heutigen Multimediazeitalter wenig. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Jugendliche, sind sie einmal in der Bibliothek, durchaus auch reges Interesse an Büchern zeigen.

Wir freuen uns, dass wir mit der Thaynger Bevölkerung am Chilbiwochenende 1./2. November 2003 unser 20-jähriges Jubiläum feiern dürfen! Wir laden alle herzlich ein, an den Veranstaltungen im «Sternen» jeweils an den Nachmittagen ab 14.00 Uhr teilzunehmen.

25 Jahre Treffpunkt Bibliothek

Kaffeecke

Kaffeecke im 1. Stock

Kleine und grössere Ver- änderungen prägten die letzten fünf Jahre unser- er Bibliothek. Um Kinder- wagen und Rollstühlen den Zugang zur Biblio- thek zu ermöglichen, wurde an der Aussen- treppe eine Rampe ein- gebaut. Die Thaynger Schüler haben im Zeichenunterricht der Schule Vorschläge für ein neues Logo erarbeitet. Ein Wettbewerb, an dem die ganze Bevölkerung teilnehmen konnte, kürte dann das Siegerlogo. Eine grosse Veränderung für den Betrieb und die Gestaltung der Bibliothek brachte der Ausbau des Untergeschosses. Mehr Freiraum und Licht lassen die Räume freundlicher erscheinen und es stehen mehr Sitz- und Arbeitsplätze zur Verfügung. Ein «Kafiegge» im ersten Stock lädt seit einem Jahr zum gemütlichen Verweilen in der Bibliothek ein. Der rege Besuch von Lesefreudigen aus dem ganzen Reiat, und damit verbunden die stetige Zunahme der Ausleihzahlen, sind ein Erfolgsausweis.

Kinderecke Jugendabteilung

Kinderecke

Jugendabteilung

Vortrag von Stefan Zanelli über 25 Jahre Bibliotheksgeschichte

Entstehung

Wir beginnen vor 35 Jahren, im Jahre 1973, reichte Einwohnerrat Hansjürg Ogg eine Motion zur Schaffung einer Gemeindebibliothek ein. Sie wurde mit 5 : 4 Stimmer erheblich erklärt, und dies nur weil auf gegnerischer Seite zwei Einwohnerräte fehlten.

Erst im Jahre 1980 kam Bewegung in die Sache, im Budget stand ein Planungskredit von Fr. 20'000, der aber vom Einwohnerrat herausgekippt wurde. An der Gemeindeversammlung griff Gemeindepräsident Walter Stamm zu einem Kunstkniff, um den Betrag wieder einzubauen. Er gab den Vorsitz der Versammlung ab und stellte, nun einfacher Bürger, den Antrag auf Wiederaufnahme des Planungskredits. Das Vorhaben gelang und folgerichtig stand an der nächsten Gemeindeversammlung 1981 der Baukredit von ca. 630'000 Fr. für den Umbau des Hauses an der Bachbrücke (ohne Umgebung, separat) zur Diskussion. In einer hitzigen, emotionsgeladenen Diskussion wurde der Kredit aber deutlich gutgeheissen. Korrespondent AS. schrieb von «zahlreichen Diskussionsvoten sowie Beifallsäusserungen, roten Köpfen, schadenfrohem Gelächter und protestartigem Verlassen des Saales durch einen erbosten Bürger». Die Umsetzung des Projekts von Architekt Walter Förderer (Bauführer Rolf Lüscher) verlief zufriedenstellend, der Kredit war aber ziemlich knapp bemessen, die Umgebung gab zeitweise mehr zu reden als die Bibliothek selber. Für das Wasserspiel reichte das Geld nur noch in einer abgespeckten Variante, das Resultat ist immer noch unbefriedigend.

Das Wichtigste an einer Bibliothek sind klar die Bücher - und da gab es Probleme. Für den Bücherankauf war nur eine kleine Summe vorgesehen, weil Buchhändler Meili in Schaffhausen dem Gemeindepräsidenten und dem Gemeindeschreiber erklärt hatte, 500 - 600 Bücher würden für den Start genügen. Die Integration von 3 Bibliotheken ermöglichte den Start mit 4725 Büchern.

1. Die Bibliothek des Männervereins (heute Kulturverein)
Sie umfasste ca. 1400 Bücher, betreut von Gottfried und Susi Keller-Ammann, sie war schlecht genutzt, bestand aber schon seit 1875! Die Bücher waren alle eingebunden und in Kästen in der alten Kanzlei versorgt. Dora Schenk, die spätere Leiterin der Gemeindebibliothek und Cécile Dietrich, damals Mitglied des Ausleihteams und später ebenfalls Bibliothekarin, sortieren, reinigten und nahmen diese Bücher auf Karteikärtchen auf. Eine Heidenarbeit! Dies war der Grundstock für die Erwachsenenliteratur.

2. Die Schulbibliotheken
Als Bibliothekar der Realschule kam ich in die Baukommission und später in die Bibliothekskommission. Jede Stufe besass damals eine eigene Bibliothek und nicht ganz ohne Widerstand wurden die schuleigenen Bücher alle integriert, ein Konzept, das sich meiner Meinung sehr bewährt hat. Für die Jugendliteratur stand damit eine zeitgemässe und interessante Basis zur Verfügung.

3. Italienische Bücher
Der italienische Verein Emigrati Italiani besass eine kleine Bibliothek, die vom ital. Staat finanziert worden war, aber schlecht genutzt wurde. Salvatore Salvaggio, damals Lehrer für Italienisch und Ital. Kultur in Thayngen, versprach sich von Integration eine bessere Benützung, vielleicht auch durch Schweizer Leser. Eine Hoffnung, die sich nie erfüllte, sie wurden später eliminiert.

Einweihung der Bibliothek am 4. November 1983

Zahlreiche Prominenz, darunter auch Regierungsrat Kurt Waldvogel, GP Walter Stamm, Architekt Walter Förderer und weitere 170 Personen drängten sich nach der Besichtigung der Bibliothek im Reckensaal. Nebst verschiedenen Ansprachen, Darbietungen von Thaynger Schülern trat auch nach das legendäre Kabarett des HVT auf, das mit Texten von Hanswerner Hübscher dieser Einweihung die Ehre erwies. Aus dem Song der Kulturellen folgender Auszug:

Banause, Banause, Banause
Beherrsched hüt leider d'Kultur
Banause, Banause, Banause
Vo Musik und Büecher kei Spur

oder

Mir wünsched üs für d'Zuekunft neui Bücher!
E Bibliothek, wo sich weltwiit zeige cha!
En Schlager mues das gee, da werded Si scho gsee,
denn mir wend nümme lang e chli, es chli Provinzli sii

Leitung und Organisation der Bibliothek

Auch das Ausleihteam war sehr konstant, wenig Wechsel, fast musste zu Zwangs- pensionierungen geschritten werden!

Bibliothekskommission

1992 - 2000 war ich Präsident als zuständiger Gemeinderat, es war meine Lieblings- kommission, weil privates Hobby und Amt bestens verbunden waren. Gute Zusammenarbeit mit Bibliotheksleiterinnen und Kommissionsmitgliedern.

Herbert Somm, in Erinnerung ist mir sein legendärer und erfolgreicher Brief an den Gemeinderat zur geplanten Einführung von Gebühren und zur Kürzung des Kredits von 19'000 auf 11'000! Noldi Sigg, hat am Jubiläum «10 Jahre», Axel Neumann, Schauspieler an der Färbe engagiert, der rezitierte auswendig 40 Min. tolle Texte von Hirsch. Als A.S. war er Korrespondent, er hat alle alten Artikel noch, siehe Pin-Wand.

Benützer der Bibliothek ab 2000

Seit 8 Jahren bin ich nur noch einfacher, aber eifriger Benützer der Bibliothek. Ich freue mich, dass immer noch auf Aktualität geschaut wird, dass die Kundschaft weiter wächst und weiterhin eine freundliche und kompetente Bedienung wichtig ist.

Lesungen sind etwas seltener geworden, es wird auch zunehmend schwieriger, die Leute zum Besuch einer Lesung zu bewegen. Angebot: Gemeinsam mit Kulturverein einen Anlass organisieren, sei es als Lesung, Vortrag oder Musik und Worte miteinander verbunden!

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